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Nicht alles ist schlecht in Peking

Tags: beijing
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Im Perflussdelta wächst gerade die größte urbane Region der Welt heran, eine Art gigantisches Ruhrgebiet, bloß mit so vielen Einwohnern wie Deutschland insgesamt hat. In den nächsten Jahren werden insgesamt elf Städte so miteinander verbunden, dass man sich eigentlich in einem geschlossenen Stadtgebiet aufhält. Die Dimensionen sind - wie immer in China - riesig: Die größten Städte sind Hongkong (7 Millionen), Guangzhou (15 Millionen), Shenzhen (11 Millionen), dazu kommen noch Macao, Foshan, Zhuhai, Dongguan, Huizhou und ein paar mehr mit jeweils 3 bis 7 Millionen Einwohnern. Alle Städte sind so miteinander verbunden, dass man nirgendwohin länger als eine Stunde mit dem Zug braucht.

Größtenteils gelingt das sehr gut. Die ersten sechs Bilder sind aus Shenzhen, eine Retortenstadt, in der 1980 nur 30000 Leute lebten. Shenzhen ist eine Art chinesisches Miami. Die anderen Bilder sind aus Guangzhou, dem alten Kanton. Hier gibt es ein Nebeneinander von Alt und Neu, wobei “Alt” ungefähr 20 Jahre bedeutet.

Der Preis, den die Menschen dafür bezahlen, ist neben der Luftverschmutzung vor allem ein fehlendes Daheim-Gefühl. “Die Leute haben Angst vor der Zukunft, es hat sich zuviel geändert. Werte sind weggefallen, das Vakuum wurde mit Materialismus gefüllt”, sagt eine Architektin. “Das aber hat zur Folge, dass sich niemand wirklich zu Hause fühlt. Alles ist provisorisch”


Bald mehr dazu in der WirtschaftsWoche.

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Chaos vs. Ordnung

(Schule in Guangzhou)

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Beste Jahreszeit im Xiaoqu.

Tags: Shanghai
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 Gestern Abend hatte ich Probleme mit dem Licht in meinem Hotelzimmer. Die Beleuchtung meines Balkons ließ sich partout nicht ausschalten. Ich suchte das ganze Zimmer nach Schaltern ab, drückte jeden - kein Resultat. Das Licht draußen brannte. Ich zog dann die Vorhänge so zu, dass möglichst wenig Licht von draußen nach drinnen kam. Das ging so leidlich.

Ich bin gerade auf der Boao-Konferenz, einem Wirtschaftsforum das als asiatische Version von Davos gedacht ist. Boao ist ein für chinesische Verhältnisse kleiner Ort auf Hainan. Und Hainan ist Chinas Ferieninsel. Sie liegt weit im Süden bei Vietnam und ist so groß wie Bayern. Wer als Chinesen Strandurlaub machen will, fliegt hierhin

Hainan ist ok. Schön wäre zuviel gesagt. Die Strände sind in Ordnung und es ist warm. Allerdings hat man die Insel in den letzten Jahren derart mit Bettenburgen überzogen, dass Spaniens Costa del Sol dagegen ein archtitektonisches Musterdesigndörfchen ist. Die meisten Hotels überteuert. Über Hainans Immobilienblase gibt es viele Geschichten und Skandale. An wenigen Orten Chinas schossen die Preise in den letzten Jahren derart in die Höhe und wurden so viele Ferienwohnungen und Hotels gebaut.

Auch die Anlage, in der ich untergebracht bin, ist gigantisch. Mein Zimmer ist im 19. Stock, es gibt noch mindestens drei weitere solcher Türme und auf dem Weg zur Konferenz mindestens zehn solcher Hotels. Viel Leute habe ich bisher nicht gesehen und wenn, dann trugen sie einen Ausweis, der sie als Konferenzteilnehmer kennzeichnet. Auch im Restaurant war niemand.

Einen Hotelmitarbeiter habe ich gefragt, ob das Hotel denn auch mal voll wird. Er meinte, das wisse er auch nicht so genau, aber manche der Zimmer bzw. Wohnungen seien auch an irgendwelche Leute verkauft werden, stehen seitdem aber leer.

Auf der Boao-Konferenz ging es auch immer um Energieeffizienz, Umweltschutz und besseren Einsatz von Ressourcen. Als ich heute Abend kurz im Pool schwamm ist mir etwas aufgefallen: In allen Balkonen brennt das Licht. Man kann es gar nicht ausschalten.

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 Irgendjemand spinnt hier. Vor kurzem erschien eine Umfrage, durchgeführt von GlobeScan im Auftrag von BBC World Service. Die skurrilen Resultate sind irgendwie untergegangen - dabei erzählen sie gerade im Hinblick auf die Krimkrise (dazu später mehr) viel darüber, wie Deutsche ihr Land sehen, und was in der Wahrnehmung so vieler Menschen schlicht eklatant daneben ist.

47 Prozent der Chinesen glauben, ihre Presse sei frei. Und nur 39 Prozent der Deutschen sind der Meinung, ihre Medien würden nicht zensiert. Ein gutes Viertel ist sich sogar sicher, dass die Presse in Deutschland nicht frei ist.

In China sind die meisten westlichen sozialen Netzwerke gesperrt: Twitter geht nicht, Facebook ist gesperrt, youtube ebenfalls. Seit den Enthüllungen über die Milliardenvermögen reicher Chinesen im Ausland ist die Website der Süddeutschen Zeitung nicht mehr aufrufbar, die der New York Times ist schon länger gesperrt. Es gibt noch etliche Beispiele mehr.

Fast alle Ausländer und manche Chinesen umgehen die Sperren, in dem sie ein Virtual Private Network (VPN) benutzen. Das kostet nur wenige Dollar im Monat, ist aber im Grund illegal. Mit einem solchen Programm lässt sich aber nicht die Zensur umgehen, die täglich auf Weibo, dem chinesischen Äquivalent zu Twitter, stattfindet. Dort werden regierungskritische Beiträge regelmäßig gelöscht. Zahlreiche Unternehmen wie zum Beispiel Baidu, die chinesische Variante von Google, übernehmen die Zensur selbst. Auch die meisten Medienunternehmen verfahren nach diesem Muster.

Das heißt nicht, dass es in China mittlerweile nicht auch ausgezeichneten investigativen Journalismus gibt. Magazine wie zum Beispiel Caixin haben investigative und sehr kritische Geschichten. Nichtsdestotrotz müssen auch die sich an ungeschriebene Regeln halten. Tabu sind unter anderen direkte Kritik am obersten Führungszirkel und das Infragestellen der territorialen Integrität. Seit letzten Sommer gibt es ein Gesetz, das die “Verbreitung von Gerüchten” im Internet unter Strafe stellt. Was wahr und was ein Gerücht ist, bestimmt freilich die Partei.

Ausländische Journalisten haben es leichter. Ich persönlich werde so gut überwacht, dass ich davon nichts merke. Aber ich interviewe in meinem Job auch nicht ständig Dissidenten oder weise auf Menschenrechtsverletzungen hin. Andere Kollegen haben andere Erfahrungen. Vor allem aber übt die Zensurbehörde immer wieder Druck auf die Assistenten und Übersetzer der Korrespondent aus, die chinesische Staatsbürger sind. Die werden regelmäßig zum “Teetrinken” einbestellt.

Dass die Mehrheit der Chinesen das nicht weiter stört, ist relativ leicht zu erklären: Der Prozentsatz der Menschen, die sich für so abstrakte Sachen wie Pressefreiheit interessiert, ist schlicht gering, wahrscheinlich nicht viel geringer als in Deutschland. Wie eine freie Presse aussehen kann, wissen die allermeisten Chinesen schlicht weg nicht. Und fast allen Chinesen geht es materiell jedes Jahr ein bisschen besser. Noch so eine absurde Zahl aus der Studie: 76 Prozent der Chinesen fühlen sich nicht vom Staat überwacht, über die Hälfte der Deutschen dagegen glaubt das sehr wohl.

Hin und wieder passiert es mir, dass Nicht-Journalisten-Freunde mir im Gespräch zu verstehen geben, dass sie die westliche Presse für “ja für auch nicht ganz frei” halten. Es mag in Einzelfällen vorkommen, dass Zeitungen und Magazine vor großen Anzeigenkunden einknicken. Die Regel ist das nicht. Vor allem aber kenne ich viele ambitionierte Journalisten, die ständig auf der Suche sind, Skandale aufzudecken. Dass einer von ihnen eine “Schere im Kopf” hätte, habe ich noch nicht erlebt.

Oft sind es dieselben Leute, die die USA mit Russland gleichsetzen und dann zu dem Ergebnis kommen: “Die sind doch auch nicht besser.” Es lassen sich genug Beispiele finden, die diese Aussage belegen, und es finden sich auch genug Belege dafür, dass die deutsche Presse etwas schreibt, das der eigenen Meinung widerspricht. Sich aber der strukturellen Unterschiede zwischen Demokratien und Autokratien nicht bewusst zu sein, finde ich insgesamt recht befremdlich.

Deswegen muss ja man nicht ständig “Hurra Deutschland!” rufen, aber hin und wieder kann es nicht schaden, sich der Freiheiten bewusst zu sein und daraus zu schließen, dass diese nicht selbstverständlich und unzerbrechlich sind.

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Frühling in Shanghai

Frühling in Shanghai

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China ist eine Paradies für Raucher und die Hölle für Nichtraucher. Jedes Taxi in Shanghai stinkt nach kaltem Rauch. In nahezu allen Restaurants wird gequalmt und überall steht jemand mit Kippe. Leute halten es für vollkommen unproblematisch, mit Zigarette in einen Lift zu steigen, oder mit Zigarette im Mund Roller zu fahren, oder mit der Zigarette in die Sauna zu gehen. (Der Mensch nahm auch sein Handy mit in die Sauna…).


Für Raucher ist China ein Paradies, weil Zigaretten so gut wie nix kosten. Die billigste Schachtel kostet umgerechnet 20 Cent. Wer ein starkes Bedürfnis nach sozialer Distinktion hat, kann auch für eine Schachtel 15 Euro bezahlen. (Die haben dann gülden angepinselte Filter).


Laut The Economist gibt es in China rund 300 Millionen Raucher. Fast die Hälfte der männlichen Bevölkerung raucht, aber nur zwei Prozent der Frauen. Letztere Teil nimmt aber starkt zu.


Warum sich der Raucherschutz in China nicht so richtig durchsetzen kann, ist auch ein politisches Problem. Die Zigarettenbranche ist fest in staatlicher Hand. Ausländische Marken gibt es nur als Fakes oder seltene Importware. 717 Milliarden Yuan, fast 100 Milliarden Euro, hat der Staat 2012 damit verdient. Der Bruder von Premierminister Li Keqiang sitzt an den Schaltstellen der Tabak-Lobby.

Ein amerikanischer Think Thank nennt die Tabakindustrie eine “letzte Bastion der Planwirtschaft”.


100 Millionen Chinesen werden in den nächsten Jahrzehnten an den Folgen des Tabakrauchens sterben. Wesenttlich mehr als durch die Luftverschmutzung.

China ist eine Paradies für Raucher und die Hölle für Nichtraucher. Jedes Taxi in Shanghai stinkt nach kaltem Rauch. In nahezu allen Restaurants wird gequalmt und überall steht jemand mit Kippe. Leute halten es für vollkommen unproblematisch, mit Zigarette in einen Lift zu steigen, oder mit Zigarette im Mund Roller zu fahren, oder mit der Zigarette in die Sauna zu gehen. (Der Mensch nahm auch sein Handy mit in die Sauna…).

Für Raucher ist China ein Paradies, weil Zigaretten so gut wie nix kosten. Die billigste Schachtel kostet umgerechnet 20 Cent. Wer ein starkes Bedürfnis nach sozialer Distinktion hat, kann auch für eine Schachtel 15 Euro bezahlen. (Die haben dann gülden angepinselte Filter).

Laut The Economist gibt es in China rund 300 Millionen Raucher. Fast die Hälfte der männlichen Bevölkerung raucht, aber nur zwei Prozent der Frauen. Letztere Teil nimmt aber starkt zu.

Warum sich der Raucherschutz in China nicht so richtig durchsetzen kann, ist auch ein politisches Problem. Die Zigarettenbranche ist fest in staatlicher Hand. Ausländische Marken gibt es nur als Fakes oder seltene Importware. 717 Milliarden Yuan, fast 100 Milliarden Euro, hat der Staat 2012 damit verdient. Der Bruder von Premierminister Li Keqiang sitzt an den Schaltstellen der Tabak-Lobby.

Ein amerikanischer Think Thank nennt die Tabakindustrie eine “letzte Bastion der Planwirtschaft”.

100 Millionen Chinesen werden in den nächsten Jahrzehnten an den Folgen des Tabakrauchens sterben. Wesenttlich mehr als durch die Luftverschmutzung.

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Hongkong ist viel mehr als Hochhäuser und enge Gassen. Jedes Mal wenn ich dort bin, entdecke ich etwas Neues. Dieses Mal haben wir Freunde in dem kleinen Fischerdorf Sai Kung besucht. #Seafoodporn

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In Hongkong hat Ende Februar der erste Bitcoin-Shop aufgemacht. Die Meldung hat für ziemlich Furore gesucht und alle Medien berichteten darüber. Das Besondere daran ist: Man kann dort hineingehen, Cash oder per Kreditkarte zahlen und kriegt dafür Bitcoins.

Bitcoins sind vor allem auf dem Festland bei Chinesen sehr begehrt, da sie kaum andere Anlagemöglichkeiten haben, (darüber habe ich letztens in der WiWo geschrieben).

Heute war ich in Hongkong und wollte bei ANX selbst Bitcoins kaufen. Es hat ein bisschen gedauert, bis ich den Laden gefunden habe. Die “Börse” liegt in einem Kaufhaus im Westen von Hongkong-Island. Daneben ist ein kleiner Porzellan-Laden und ein größere Laden für Pferdewetten.

Die revolutionäre Bitcoin-Börse hatte geschlossen, sah aber auch ansonsten nicht danach aus, als würde hier die Währung der Zukunft gehandelt werden…

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 Als ich im vergangenen Oktober in Urumqi, der Hauptstadt Xinjiangs, war, hatte ich einen uigurischen Führer, den ich hier Abdul nenne.

Am Freitag habe ich Abdul wiedergetroffen. Er war in Shanghai, um an einer Prüfung für ein Doktoranden-Programm in Arabischer Literatur teilzunehmen. Ich wollte natürlich von ihm wissen, wie er die Terror-Attacken von Kunming sieht. Am 1. März hatten acht schwarz gekleidete Frauen und Männer am Bahnhof von Kunming insgesamt 29 Menschen getötet und 143 verletzt - mit Messern wohlgemerkt. Wie jemand zu so einer blutigen Tat fähig sein kann, ist schwer zu begreifen. Hier sprechen manche von “Chinas 11. September”.

Freilich verurteilen die meisten Uiguren die Tag, genauso Abdul. Allerdings erzählte Abdul zwei Anekdoten, die die Situation der Uiguren in China recht gut verdeutlichen. Als er nach einem Hotel in Shanghai suchte, wurde er dreimal abgewiesen mit der Begründung: Wie nehmen hier keine Uiguren. Das ist nicht erst so seit dem Vorfall in Kunming so.

Zum anderen sagte Abdul, er brauche für die Zulassung zu dem Doktoranden-Programm weniger Punkte als Han-Chinesen.

Chinas offizielle Minderheiten-Politik ist nicht das größte Problem: Im Gegenteil: Die 69 “Völker Chinas” haben auf dem Papier oft mehr Rechte als das Mehrheitsvolk der Han-Chinesen, die rund 90 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Wie Tibeter, Mongolen, Mandschus, Naxi und viele andere sind die Uiguren von der Ein-Kind-Politik ausgenommen, und es gelten für Universitäten geringere Zulassungsbeschränkungen.

Das Problem liegt eher im alltäglichen Rassismus vieler Han-Chinesen gegenüber Uiguren. Sie werden bei Stellenausschreibungen benachteiligt, und auf vielfältige, teils illegale, Weise diskriminiert.

Abdul ging schließlich in eine Art Xinjiang-Verbindungshaus, wo man ihm ein Zimmer vermittelte. Er hat mir eine Kiste Granatäpfel mitgebracht.

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 Noch immer lebt Shanghai von seinem Ruf, besonders dekadent zu sein. Genau in diese Kerbe schlägt ein neuer Club. Im “Cirque Le Soir” gibt es tanzende Zwerge, Riesen und halbnackte Frauen. Auf dem Klo steht ein lustiger Chinese mit Turban, der einem Kaugummis und Snickers anbietet.

Das Publikum besteht aus Praktikantinnen, reichen Ausländern und noch viel reicheren Chinesen. Angesichts der Preise vermute ich bei solchen Clubs ein 85/15-Konzept: 15 Prozent der Gäste sind für 85 Prozent des Umsatzes verantwortlich. Am besten für solche Clubs sei es, wenn zwei reiche Chinesen in Protzlaune aufeinanderstoßen: Dann kauft der eine eine Flasche Champagner, darauf der nächste zwei und dann immer so weiter - bis einer weint.

Den Club Lesoir gibt es außerdem noch in Dubai und London. Da die Show zwar nett, im Großen und Ganzen aber dann doch eher mittelmäßig war, scheint das Konzept des Ladens dann doch eher simpel zu sein. Nämlich teuer.

Wir entschieden uns für das billigste Getränk auf der Karte. Das waren zehn kleine Asahi-Bier für 700 Kuai - das sind knapp 90 Euro.

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 Der größte Hafen der Welt ist ein eigenartig trostloser Ort. Der Yangshan Tiefseehafen liegt 30 Kilometer von Shanghai entfernt, quasi mitten im Meer. Auf der Karte sieht das recht eigenartig aus: Dort sieht man eine Straße die einfach ins Meer hinausführt.

Tatsächlich ist dort eine kleine Felseninsel, zu der man 2005 diese, damals längste Meer-Brücke der Welt baute.

2012 wurden hier (und mit dem Flusshafen von Shanghai zusammen) über 32 Millionen TEU (Twenty-Foot-Equivalent Units, ein Maß für Container) umgesetzt. Letztes Jahr dürften es noch ein bisschen mehr gewesen sein. Die nächstgrößeren Häfen sind Singapur und Hongkong. Der erste nicht-asiatische Hafen taucht bei Platz elf auf: Rotterdam.

Ein Großteil der Importe und Exporte laufen also über diese kleine Felseninsel. Davon war allerdings erschreckend wenig zu sehen. Nur vereinzelt fuhren ein paar Lastwagen über die Straße, die Kräne bewegten sich kaum. Da beschleicht einen schon der Verdacht, dass China gewaltige Überkapazitäten aufgebaut hat, und sich da eine Blase dem Platzen nähert.

Beispiele für die Übertreibungen am Immobilienmarkt gibt es gleich in der Nähe zu sehen: Zurück auf dem Festland wurde ein kreisrunder, künstlicher See angelegt. Darum hat man eine Siedlung gebaut, die sich an reiches Klientel richtet. Die Straßen: leer.

Die Chinesen lieben übrigens Felsen. Jeder zweite Felsen hat hier einen besonderen Namen: Small Dragon oder Huge Wale Setting Sail.

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Alt vs. Neu.
Shanghai Xinzha Lu

Alt vs. Neu.
Shanghai Xinzha Lu

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"Tuhao" nennen die Chinesen ihre neureichen Mitbürger. Das Wort bezeichnet Leute, die zu schnell zu zuviel Geld gekommen sind, und einen ziemlich schlechten Geschmack haben. Wegen dieser Leute hat der Luxus-Markt in China in den letzten Jahren geboomt - jeder will eine Louis-Vuitton-Handtasche, einen Burberry-Schal und einen Gucci-Gürtel. (Mittlerweile stagniert der Markt.)

Heute saß ich auf der Anfu Lu in einem Cafe (wir haben gerade sehr schönes Wetter und kaum Luftverschmutung). Es gibt Leute, die “würden die Anfu Lu gerne in die Luft sprengen”, weil dort so viele Tuhaos und möchte-gern-Großbürger-Ausländer in überteuerten Cafés sitzen. Da ist was dran, aber ich mag die Anfu Lu trotzdem.

Ich saß dort drei Stunden im Cafe Marienbad und in der Zeit saßen mehrere Tuhaos neben mir.

1. Ein junges Paar setzt sich. Beide ziehen ihre iPhones raus und beginnen zu telefonieren. Der Mann brüllt in sein Telefon. Die Frau spricht etwas leiser. Sie bestellen Spaghetti Bolognese und Chicken Wings. Die Frau schlürft die Nudeln. Währenddessen der Mann erst begeistert ein Gangnam-Style-Video und dann ein Katzenvideo anschaut. Mit voller Lautstärke natürlich. Konversation findet nicht statt. Schließlich steigen beide in einen Porsche Cayenne und brausen davon.

2. Währenddessen versucht eine junge Frau, mit einem nagelneuen SUV unbekannter Marke, in eine 20 Meter lange Parklücke einzuparken. Hinter ihr hupen die Autos. Sie entscheidet sich dafür, lieber weiterzufahren.

3. Zwei junge Männer setzen sich mit vollen Einkaufstüten. Handy raus, Zigaretten an. Beide sitzen dort etwa eine Stunde, rauchen pro Nase fünf Zigaretten, räuspern sich, rülpsen ein bisschen. Einziges Gespräch: Als ein Auto vorbeifährt, meint der eine zum anderen:

"Maserati?"

Zwischendrin kam mal ein älteres Pärchen. Sie saßen dort ohne Handys und unterhielten sich. Über was? Über die Tuhaos, die mit ihrem teurem Auto nicht einparken konnte.